Grundlagen des Unterrichts

Die Studierenden erwerben im Fach Volkswirtschaftslehre grundlegende Kompetenzen für die Entwicklung eines ökonomisch vertieften Bürgerbewusstseins und von Demokratiefähigkeit im Sinne wirtschaftlicher, politischer und sozialer Mündigkeit. Volkswirtschaftliche Kompetenz integriert dabei die Kompetenzbereiche Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz.

Kompetenzbereiche

Sachkompetenz

Volkswirtschaftliche Sachkompetenz bedeutet als unverzichtbarer Bestandteil eines ökonomisch vertieften Bürgerbewusstseins den Erwerb und die vernetzende Anwendung von Kenntnissen über die ökonomischen Strukturen und Prozesse im gesellschaftlichen und politischen Kontext, damit gesellschaftliche Realität sinnstiftend erschlossen und verstanden werden kann. Sie zeigt sich damit vor allem als volkswirtschaftliche Deutungs- und Orientierungsfähigkeit. Volkswirtschaftliche Sachkompetenz bildet eine wesentliche Grundlage dafür, ökonomische Probleme im gesellschaftlichen und politischen Kontext mithilfe von volkswirtschaftlichen Erfassungsweisen, Erklärungsmustern, Modellen und Theorien zu erschließen, einzuordnen und kritisch zu reflektieren.

Methodenkompetenz

Volkswirtschaftliche Methodenkompetenz beschreibt die fachspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die – neben überfachlich methodischen und metakognitiven Kompetenzen – benötigt werden, um sich mit ökonomischen Erscheinungen und Herausforderungen im gesellschaftlichen und politischen Kontext auseinandersetzen zu können. Sie ist ein wesentliches Element volkswirtschaftlicher Wissenschaftspropädeutik. Methodenkompetenz zeigt sich durch die Beherrschung von Verfahren der volkswirtschaftlichen Informationsgewinnung und -auswertung, der volkswirtschaftlichen Analyse und Strukturierung, der Darstellung und Präsentation sowie der sozialwissenschaftlichen Erkenntnis- und Ideologiekritik. Dazu erwerben Studierende Kompetenzen in den Bereichen der volkswirtschaftlichen Begriffs-, Hypothesen- und Modellbildung sowie der empirischen Zugriffsweisen und darüber hinaus die Fähigkeit zu volkswirtschaftlicher Analyse und Ideologiekritik.

Urteilskompetenz

Volkswirtschaftliche Urteilskompetenz beinhaltet die selbstständige, begründete und reflektiert kriteriengeleitete Beurteilung ökonomischer Prozesse und Strukturen im gesellschaftlichen und politischen Kontext sowie das zunehmende Verständnis der gegenseitigen Verschränktheit politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Zusammenhänge. Urteilskompetenz schließt die Herausbildung eines sachkompetent begründeten eigenen Standpunktes ebenso ein wie das verständigungsorientierte Abwägen der eigenen Position mit den Positionen anderer. Dazu gehören neben dem Anwenden von Grundmethoden der Argumentation und dem Auffinden von Argumentationsprämissen und Interessenstandpunkten auch das Denken aus anderen Perspektiven und die Entwicklung von Selbstreflexivität sowie Selbstwirksamkeit.

Handlungskompetenz

Volkswirtschaftliche Handlungskompetenz umfasst die Fähigkeit, sich in den unterschiedlichen Demokratiedimensionen reflektierend und handelnd als Akteur und Akteurin an Prozessen der Meinungsbildung, der Entscheidungsfindung und des Handlungsvollzugs beteiligen zu können. Dies ermöglicht den Studierenden, Chancen der Einflussnahme auf die Gestaltung politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse und Strukturen wahrzunehmen. Volkswirtschaftliche Handlungskompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, erworbene Sach-, Methoden- und Urteilskompetenzen in unterschiedlichen Lebenssituationen einsetzen zu können. Dazu gewinnen die Studierenden Erfahrungen mit demokratischen Aushandlungs-, Entscheidungs- und Handlungssituationen, u.a. durch diskursives, simulatives und reales Handeln im Unterricht.

Inhaltsfelder

Kompetenzen sind nicht nur an die Kompetenzbereiche, sondern immer auch an fachliche Inhalte gebunden. Volkswirtschaftliche Kompetenz soll deshalb mit Blick auf die nachfolgenden fünf Inhaltsfelder entwickelt werden.

Inhaltsfeld (1)

Marktwirtschaftliche Ordnung In diesem Inhaltsfeld geht es – unter Berücksichtigung von individuellen wirtschaftlichen Erfahrungen – um ein Grundverständnis ökonomischer Zusammenhänge und Interessenlagen in einer marktwirtschaftlich geprägten Wirtschaftsordnung. Dazu sind die Funktionen der Akteure im marktwirtschaftlichen System sowie die grundlegenden Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland, auch in ihrer historischen Bedingtheit, zu betrachten. Stärken und Grenzen dieses Wirtschaftssystems sowie die Rolle des Staates als Gestalter der Wettbewerbs- und Ordnungspolitik sind notwendige Gegenstände bei der Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld. Studierende können bei der Behandlung dieses Inhaltsfelds erfahren, dass die Soziale Marktwirtschaft von Menschen gestaltet wurde und weiterhin gestaltbar ist.

Inhaltsfeld (2)

Strukturen, Prozesse und Partizipationsmöglichkeiten in Betrieb und Arbeitswelt In diesem Inhaltsfeld geht es um ökonomisch-politische Handlungsoptionen und Partizipationsmöglichkeiten in Betrieb und Arbeitswelt. So kann ein Grundverständnis wirtschaftlicher Entscheidungsstrukturen und -prozesse in der pluralen Demokratie und in der Zivilgesellschaft entstehen. Darüber hinaus fördert dieses Inhaltsfeld die kritische Beschäftigung mit kontroversen Grundpositionen der politischen Akteure zu Fragen der Entwicklung von Unternehmensstrukturen und Arbeitswelt. Damit ermöglicht es eine Orientierung in der Betriebs- und Arbeitswelt der Bundesrepublik Deutschland. Die Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld kann so das demokratische Bürgerbewusstsein der Studierenden fundieren.

Inhaltsfeld (3)

Wirtschaftspolitik Mithilfe dieses Inhaltsfelds erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Legitimation staatlicher Beeinflussung von gesamtwirtschaftlichen Zielgrößen. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wachstumsbegriffen sowie mit Konjunktur- und Wachstumsschwankungen im Hinblick auf wirtschaftspolitische Zielvorstellungen. Hierzu werden unterschiedliche wirtschaftspolitische Konzeptionen betrachtet, die durch divergierende Zielvorstellungen und ihre jeweiligen Instrumente gekennzeichnet sind. In der Beschäftigung mit diesem Inhaltsfeld reflektieren die Studierenden die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen für sich selber in aktuellen und zukünftigen Rollen und Lebenssituationen sowie für die unterschiedlichen am Wirtschaftsprozess beteiligten Interessengruppen in nationalen und internationalen Zusammenhängen.

Inhaltsfeld (4)

Europäischer Binnenmarkt und Geldwertstabilität In diesem Inhaltsfeld geht es um die Bedeutung wirtschaftspolitischer Interventionen auf der Ebene der EU für das Alltagsleben sowie das von der Ökonomie geprägte soziale und politische Leben in Deutschland. Das Inhaltsfeld ermöglicht die Auseinandersetzung mit der zentralen ökonomischen Bedeutung der EU für die Sicherung von Wohlstand, Frieden und Stabilität in Europa. Betrachtet wird dabei insbesondere die Funktion und aktuelle Bedeutung der Geldpolitik für die ökonomischen Entwicklungen im politischen und sozialen Kontext. Anhand von kontroversen Vorstellungen zur Gestaltung der ökonomischen Institutionen innerhalb der EU im Spannungsfeld von nationalen und gesamteuropäischen Interessen können Handlungsoptionen und Bewertungen entwickelt werden.

Inhaltsfeld (5)

Globalisierung und Nachhaltigkeit In diesem Inhaltsfeld geht es um die ökonomischen Grundlagen und Zusammenhänge für Globalisierungsprozesse und Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften. Es werden die Möglichkeiten und Grenzen des Handelns internationaler Akteure, die bestehenden Interessenkonflikte und Handlungsoptionen im Sinne der Sicherung von Gerechtigkeit, Wohlstand und Nachhaltigkeit betrachtet. In diesem Zusammenhang geht es auch um die Strukturen und Prozesse internationaler Wirtschaftsbeziehungen im sozialen und politischen Kontext. Darüber hinaus werden die Gestaltbarkeit sowie die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen auf den Standort Deutschland behandelt. Die Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld ermöglicht es Studierenden, ein vertieftes Verständnis der Chancen und Risiken dieser Strukturen und Prozesse im Hinblick auf die dabei zugrunde liegenden konkurrierenden Demokratie-, Wachstums- und Gerechtigkeitsvorstellungen zu entwickeln.

Quelle: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_wbk/kolleg/vl/KLP_WbK_VWL.pdf



Kursphase

Bestimmend für die Unterrichtsinhalte in der Kursphase sind die Vorgaben für das Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen.

Seit dem Wintersemester 2014 gilt der neue Kernlehrplan für Volkswirtschaftslehre.


Nützliche Links

Wirtschaft und Schule

Eine Einführung für Deutschland

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